• Alte Bauernmöbel . Antiquitäten

    Gabriele Prödl-Posch mit Tochter Paula, Indie und Naeli

  • Truhe, Alte Bauernmöbel, Antiquitäten

    Truhe dat. 1777, Bauernschrank dat. 1750, Kerzenständer 18. Jhd., Bilderrahmen 19. Jhd.

  • Antiquitäten, Alte Bauernmöbel

    bemalte Bauerntruhe 18. Jhd., Schrank dat. 1719, bemalter Bauernschrank dat. 1766, Spiegel 19. Jhd., Pieta 18. Jhd.

  • Antiquitäten und antike Bauernmöbel

    bemalte Truhe 18. Jhd., bemalter Schrank 18. Jhd., bemalte Bauerntruhe dat. 1861, Spiegel 19. Jhd., Hocker 19. Jhd.

Hommage auf das antike Bauernmöbel

Ich stehe oft vor einem antiken Bauernmöbel und rätsle, warum es mich berührt, nicht nur mein Vorübergehen unterbricht, sondern mich zum Innehalten bringt.

Es ist das anmutige Erscheinungsbild, die in sich ruhende, ausgewogene Gesamtheit eines antiken Möbels. Hervorgerufen durch die ursprüngliche Einheit, die der Schaffende mit seinem Möbel bildete, die Zeit, die hineinfloss um es entstehen zu lassen, ohne auf die Uhr zu sehen. Landschaft, natürliche Gaben der Region und Mentalität der Menschen am Entstehungsort beeinflussten die Arbeit. Es sind Werke, die dem Leben galten.

Es gab den instinktiven Willen, all das Können und die Leidenschaft in das Werk zu legen, ohne die Absicht zuvor zu formulieren. Ausschließlich mit der Hand zu arbeiten, trägt Charakter in das Werk. Die Sorgfalt in der Materialauswahl, wie auch in der Bearbeitung ist ablesbar. Die Holzverbindungen sind sichtbar und werden zum Gestaltungselement. Die konstruktiv richtige Bauweise verleiht eine Unmittelbarkeit im Ausdruck.

Hohe Handwerkskunst tritt in Schnitzerei und Bemalung in Erscheinung. Geschnitzte oder bemalte Auszier veredeln den Nutzwert des antiken Bauernmöbels. Die unbekümmerte Malerei und elementare Techniken vermitteln Ursprünglichkeit. So sind es doch vielfach die naiven Motive, die uns anrühren. Sie erzählen uns von den wesentlichen Beweggründen und Festen unseres Lebens – allen voran von der Liebe, in ihrer starken unmissverständlichen Symbolik. Es sind die Farben, die aus der Natur stammen, die so sinnlich sind. Es sind die Formen, die aus dem Leben gegriffen sind, die so harmonisch und fließend sind.
Das antike Bauernmöbel steht selbstbewusst da, zeigt ehrlich sein Wesen und fasziniert durch seine unprätentiöse, kraftvolle Wirkung.

Ein unergründbares Phänomen sind die Proportionen. Je archaischer das antike Bauernmöbel ist, desto weniger scheint es einen Werkplan zu befolgen. Hinter der Ästetik der Form ruht das Formlose. Die Unregelmäßigkeit und Zufälligkeit sorgen für überraschende Momente, irritieren und fordern ein nochmaliges Hinschauen ein. Genau in dieser Asymmetrie ohne Kalkül liegt ein großer Reiz der antiken Bauernmöbel. Auch weil wir es nie erfahren werden, warum es so ist wie es ist. Antike Bauernmöbel sind für mich Ideale für Maßschönheit. Das Schöne ist stets Folge des Richtigen und behält so seine Kraft. Je mehr sich das Kunsthandwerk einbringt, desto mehr verschiebt sich die emotional begründete Bewunderung in Richtung Wertschätzung der kunstvollen Fertigkeiten, die ebenso Emotionen wecken.

Den Zauber, den antike Landmöbel innehaben, stammt nicht zuletzt von ihrer Patina. Diese satte, tiefe Strahlkraft. Lange hat sie sich Zeit genommen. Gut, dass sich Spuren der Benutzung erkennen lassen. Nichts können sie dem Wesen anhaben, sie verstärken den Charakter eines antiken Solitärs. Wir können Geschichten hineininterpretieren, wie so manche Merkmale entstanden sein können und erfreuen uns an der Fantasie, die eine Antiquität durch ihre Rätselhaftigkeit in uns freilegt. Samtig und weich scheint die Oberfläche zu sein, ein kultivierter Ausdruck, der sich uns bietet. Fühlen wir die Oberfläche, spüren wir Materialien, die sind, was sie sind – nicht mehr und nicht weniger. Das „Mehr“ entsteht durch unsere Sinne.

Gabriele Prödl-Posch

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